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Frauen auf dem Land



Artikel von:
hausfrau.de
veröffentlicht am 26.11.2009 17:10 Uhr

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Da ist die Webdesignerin, die auch mit einem Mähdrescher umgehen kann, die Gründerin des erfolgreichen Naturkost-Unternehmens „Zwergenwiese“, die Logistik-Fachfrau, die Maschinen und Zeitarbeiter managt, oder die EU-Parlamentarierin, die „nebenbei“ noch einen Hof mit 120 Hektar Land führt.

Bild 1
In 26 Reportagen stellt die mehrfach ausgezeichnete Journalistin Angelika Gördes-Giesen hier „starke Frauen“ vor, die auf dem Land leben und doch so gar nicht ins Klischee der traditionellen und unemanzipierten Landfrau passen. Kaum eine der Frauen ist den vorgezeichneten Weg gegangen: Sie alle haben sich nach oben gekämpft, Neues gewagt, sich von Widerständen nicht entmutigen lassen und Beeindruckendes auf die Beine gestellt.
So wie Anke Mahron, die in den 60er-Jahren in Dittmarschen aufwuchs und sich erst einmal zur Diätassistentin ausbilden ließ. Später bildete sie selbst in ganz Deutschland Krankenhausköche aus, bis sie mit Mann und Kindern im Gepäck auf einen Resthof in Norddeutschland zog. Hier machte sie sich mit einer Ernährungsberatungsstelle selbstständig und stieg ganz nebenbei noch in die Kommunalpolitik ein, wurde Bürgermeisterin und brachte einen nachhaltig gestalteten Gewerbepark auf den Weg.
Die Autorin hat es sich nicht nehmen lassen, selbst die Gummistiefel anzuziehen, um diese „starken Frauen“ zu besuchen und sie durch ihren Alltag zu begleiten. Entstanden sind eindrucksvolle Porträts, die deutlich machen, wie vielseitig, bunt und überraschend das heutige Landleben sein kann. Für eine der Reportagen in dem Band erhielt Angelika Gördes-Giesen 2009 den Kommunikationspreis des Verbandes der Agrarjournalisten.

Mit der Erfolgsgeschichte von Susanne Schöning, der Gründerin der Naturkostmarke „Zwergenwiese“ erhalten Sie schon hier einen kleinen Einblick in den Reportageband.

Wenn Möhre auf Sellerieknolle trifft ...
Susannes „Zwergenwiese“ macht alles möglich.


Irgendwann war Susanne Schöning es leid, dass in ihrer Familie nur Wurst und Käse aufs Brot kamen. Schließlich wuchsen ungeheure Mengen Gemüse hinter dem Haus und welkten ungenutzt dahin.
Ihr Umweltgewissen schlug, und sie begann, mit Gemüse, Mixer und Pürierstab zu experimentieren. Auch aus Liebe zum Tier sollte nichts Fleischiges in die Schüssel, und deshalb startete Susanne Schöning mit Bio-Sellerie, -Möhren, -Äpfeln und -Zwiebeln. Nicht alles, was in der
Schüssel vor sich hin blubberte, war genießbar. Aber: Es gelang ihr, Gemüse in eine Paste zu verwandeln und aufs Brot zu streichen, ganz ohne harte Schalen, lästige Kerne oder bittere Stückchen. Ihre vegetarischen Brotaufstriche sind nichts für eingefleischte Leberwurstliebhaber, aber
damals, in den achtziger Jahren, waren sie eine Produktidee, die es in sich hatte. Statt Schweineschmalz eine zarte Streichcreme aus Zwiebeln und Äpfeln. Ihr Brotaufstrich galt schnell als Geheimtipp im Dorf und
ermutigte sie, weiterzuexperimentieren.
Was zunächst nur für den Eigenbedarf und enge Freunde gedacht war, fand schon bald seinen Weg in die ersten Naturkostläden.

An der Grundrezeptur hat sich bis heute nur wenig geändert. Pasteurisiert und abgefüllt in Gläsern findet man Susanne Schönings vegetarische Brotaufstriche heute in Bioläden und sogar in Feinkostgeschäften bundesweit. Vor 30 Jahren hätte sie nicht im Traum daran gedacht, dass heute täglich Tausende von Gläschen ihr Werk in Silberstedt im Kreis
Schleswig-Flensburg verlassen.

Alle Zutaten im Lager erfüllen die strengen Anforderungen des Biolandbaus.

Aufgewachsen in Neumünster, ging Susanne Schöning nach dem Abitur nach Karlsruhe. Sie wollte ein anderes Leben,
landete in einer Landkommune und lebte mit „Bio-Rebellen“ unter einem Dach. Mit viel Idealismus und Tatendrang eröffnete die junge Frau 1976 in Karlsruhe einen der
ersten Bioläden. Als ihre Tochter geboren wurde, war dies auch die eigentliche Geburtsstunde der „Zwergenwiese“.

Klein, aber fein, dachte sich die Multitasking-Frau, schließlich haben Zwerge einen Ruf zu verlieren, sind sie doch symbolisch die Hüter der Natur – für sie ein Ansporn.
Nach ein paar Jahren zog die alte Heimat Schleswig-Holstein Susanne Schöning magisch an. Der Umzug nach Norddeutschland ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Im neu erstandenen Bauernhof richtete sie eine kleine Produktionsstätte ein. Sie drückte noch einmal die
Schulbank und erlernte neben der Konserven- und Produktionstechnik auch das nötige kaufmännische Know-how.
Susanne Schöning Gentechnisch veränderte Zutaten sind für die „Zwergenwiese“ tabu.

Eines ihrer ersten Produkte aus der Bauernhofküche war ein „Würziger“, der rustikale Brotaufstrich aus Sellerie und Möhren. Ein größerer Topf und eine bessere Kelle zum Abfüllen gehörten zur Grundausstattung und reichten aus, um die Produktion zu starten.
Ein Vorrat von 50 Kartons mit Gläsern musste besorgt werden, weil es im ganzen Umkreis bald keine leeren Marmeladengläser mehr gab. Die Etiketten waren noch handgemalt.
Die Nachfrage stieg, und schließlich wagte sie den Schritt vom Eine-Frau-Betrieb zur Unternehmerin und expandierte.

Die „Zwergenwiese“ machte Riesenschritte – alles umweltverträglich – vom Biogemüseeinkauf bis zum Blockheizkraftwerk. Über 4 Mio. Euro hat sie seit 1996 in das Werk in Silberstedt auf der grünen Wiese investiert. Heute zählt das Naturkostunternehmen 57 Mitarbeiter. In der Versuchsküche lässt sie es sich bis heute nicht nehmen, selbst zum Kochlöffel zu greifen, um Neues auszuprobieren. Mittlerweile gehört auch Senf in den verschiedensten
Geschmacksrichtungen zur Produktpalette. Was als Ausstieg aus der Gesellschaft und Selbstversorgung auf dem Lande begann, entpuppte sich als Einstieg ins bundesweite Biogeschäft. Der Schwerpunkt liegt auf vegetarischen Brotaufstrichen, Saucen und Fruchtaufstrichen
in mittlerweile rund 60 Geschmacksvarianten von süß bis herzhaft.
Querdenken, Hinterfragen und ein bisschen Missionsdrang: gute Gründe für die damalige Studentin, eine grüne alternative Zeitung herauszugeben.
Damit erregte sie Missfallen, forderte Widerspruch heraus,
erntete aber auch Zustimmung. Bis heute erhielt die Selfmade-Frau auch viele Auszeichnungen.
Sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen entspricht nicht Susanne Schönings Mentalität. Die Managerin lässt nicht locker. Sie hat ein neues Querdenkerprojekt ins Auge gefasst: alternatives Wohnen „Auf der Freiheit“
in einem neuen Stadtteil in Schleswig. Ihr Motto lautet: Was
braucht man um sich herum, um glücklich zu sein? Diese Frage ist für sie und zwei andere Unternehmen Kompass, Inspiration und Herausforderung zugleich, diese 56 Hektar große Liegenschaft in einen neuen Stadtteil umzuwandeln, Leben und Arbeiten unter einem Dach in ursprünglicher
Landschaft an der Schlei, auf einem alten Kasernengelände.
Dort soll auf einer Fläche größer als 70 Fußballfelder ein eigener Kosmos entstehen: neben Wohnhäusern und Büros auch touristische Attraktionen. Ein nicht ganz unumstrittenes Projekt in der alten Domstadt.

Die Charmeoffensive der Selfmade-Frau hat gute Chancen auf Erfolg. Die Grundsteinlegung ist für 2009 fest im Terminkalender notiert.

Angelika Gördes-Giesen
„Frauen auf dem Land“
124 Seiten mit zahlreichen Abbildungen.
Gebunden
€ 14,95
ISBN: 978-3-7843-5006-6
 

Diskussion

  • Einklappen
    MrMuskelmann, vor 10 Monaten

    Re: Frauen auf dem Land

    Sehr interessantes Buch :))
     
  • Einklappen
    Bambusrohr, vor 11 Monaten

    Re: Frauen auf dem Land

    Frauen am Land sind eh die besten ;)
     
  • Einklappen
    Mendy84, vor 1 Jahr

    Re: Frauen auf dem Land

    Klingt sehr interessant :)
     
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