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Nachtruhe neben einem Pressluftbohrer



Artikel von:
Birgit_Jandt
veröffentlicht am 09.05.2001 11:42 Uhr

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30-50 Prozent der Bevölkerung leiden unter Schnarchproblemen. Getrennte Schlafzimmer oder wutschnaubende BettpartnerInnen müssen aber nicht sein.

So manches Produkt auf dem Markt ist zwar eher unter "Bauernfängerei" abzuheften, aber wissenschaftliche Studien und die fundierte Arbeit von Schlaflabors ermöglichen inzwischen gute Behandlungsergebnisse. Der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung zufolge kann Schnarchen die Lautstärke von Pressluftbohrern erreichen.

Woher kommt nur dieser Krach?
Beim Schnarchen wird in erster Linie eine ausreichende Luftzufuhr verhindert. Zum Beispiel weil die Nasenwege verschlossenen sind (Erkältung, Heuschnupfen) oder aus

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Quelle: ZMS Dortmund
anatomischen Gründen im Bereich des Gaumens bzw. der Zunge. Da im Schlaf die Muskulatur im Atemwegsbereich erschlafft, wird das Atmen zusätzlich erschwert. Das Schnarchen ist also nichts anderes als ein endloser Kampf gegen die erschlaffte Atemwegsmuskulatur. Dabei kommt es zu einem Flattern des Gaumens, des Zäpfchens und der Zunge, wodurch das nervenraubende Geräusch entsteht.

Die Ursachen des Schnarchens
Anatomische Ursachen: Vergrößerte Mandeln, Polypen in der Nase, Nasenscheidewandverkrümmungen, Verengungen im Rachenraum, langes Gesicht und kleines/fliehendes Kinn.
Sonstige Ursachen: Übergewicht (auch während der Schwangerschaft), Schlafmittel, Alkohol vor dem Schlafengehen, Erkältung/Heuschnupfen, Asthma, höheres Alter und damit zunehmende Muskelerschlaffung, Rückenlage während des Schlafens.

Ein Daueralarmzustand für den Körper
Obwohl der oder die Schnarchende das eigene Rumlärmen in der Regel nicht mitbekommt, erlaubt das Schnarchen ihm/ihr für die meiste Zeit nur einen oberflächlichen Schlaf. Je nachdem, wieviel bzw. wie wenig Luft noch eingeatmet werden kann, befindet sich der Körper in einem Daueralarmzustand.

Die Folgen sind Müdigkeit, Aggressivität, Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten, Potenzprobleme und Reizbarkeit. Generell ist durch den verminderten Sauerstoffgehalt im Blut der Körper immer angespannt und gestresst. Aber das Schnarchen kann noch sehr viel weitreichendere Folgen haben. Die Medical Tribune berichtete im Februar dieses Jahres von einer US-Studie, nach welcher 72.000 Schnarcherinnen über 14 Jahre hinweg unter gesundheitlicher Beobachtung standen. Ergebnis: Bei Schnarcherinnen erhöht sich nachweislich das Herzinfarktrisiko. Nach einer kürzlich veröffentlichten schwedischen Studie mit schwangeren Frauen wogen die Babys schnarchender Mütter im Schnitt weniger und waren auch sonst "schlechter drauf" als ihre "Kollegen".
In extremen Fällen setzt beim Schnarchen die Atmung sogar einige Sekunden aus (medizinisch: Apnoe=Atemstillstand) und kann nur durch eine kurze Weckreaktion (medizin.: Arousal) überwunden werden.

In diesem Fall spricht man bereits von einer schwerwiegenden Erkrankung (medizin: Schlafapnoe), die erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringt. Herzrythmusstörungen, erhöhtes Herzinfarktrisiko, Bluthochdruck, extreme Tagesmüdigkeit mit Sekundenschlaf (Unfallgefahr!), Schwindelattacken, Gedächtnisstörungen, nächtliches Schwitzen. Dieses krankhafte und krankmachende Schnarchen tritt nach Angaben des Schlafmedizinischen Zentrums in Dortmund allerdings nur bei ca. 2 Millionen Bundesbürgern auf.

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Manchmal leidet die Beziehung
Nach einer aktuellen Studie des Zentrums für Schlafmedizin (ZSM) in Dortmund werden die Schlafpartner von Schnarchenden erheblich in der Qualität ihrer Nachtruhe beeinträchtigt. In Schlaflabors wurden zahlreiche Paare in ihrem Schlafverhalten beobachtet. Frauen fühlten sich dabei häufiger von ihren schnarchenden Bettpartnern gestört als Männer von schnarchenden Frauen. Dies könne evolutionstheoretisch so erklärt werden, dass Frauen eine niedrigere Weckschwelle haben, damit sie ihr Kinder schreien hören. Die Störungen durch das Schnarchen werden als so massiv wahrgenommen, dass die Frauen oft nachts wach würden und ihre Partner mt Schubsen und Treten vom Lärmen abzuhalten versuchten. Es ist damit also wissenschaftlich erwiesen, dass das Schnarchen des Bettpartners für Frauen enormen Stress bedeutet. Für einige heißt das, dass sie zwar nicht bewusst wach werden, aber ständig in einen oberflächlichen Schlaf verfallen, wodurch sie sich tagsüber oft wie gerädert fühlen.

Andere kann das nervenaufreibende Schnarchen bis zu zwei Stunden ihres Schlafes kosten, weil sie wachliegen und länger nicht mehr einschlafen können. Frustrationen und schlechte Stimmungen in der Beziehung sind da keine Seltenheit. Viele Paare ziehen sich sogar schmollend in getrennte Schlafzimmer zurück - das muss nicht sein!

Tipps und Tricks gegen das Schnarchen
Bei vielen Schnarchern müssen nicht einmal operative Eingriffe stattfinden, damit das Schnarchen ein Ende hat. Oftmals reicht ein bloßes Abspecken, weil die Verengung der Atemwege durch zuviel Fettgewebe verursacht wird. Auch der

Verzicht auf Alkohol zwei Stunden vor dem Schlafengehen kann bereits helfen, weil die Atemmuskulatur dann nicht noch zusätzlich erschlafft. Das gleiche gilt für die Einnahme von Schlafmitteln. Gelingt es, die Rückenlage während des Schlafens zu vermeiden, bedeutet dies in den meisten Fällen bereits zumindest eine Verminderung des Schnarchgeräusches. Um dies zu erreichen, finden sich zahlreiche Hilfsmittel auf dem Markt. Diese reichen von Kopf-Seiten-Roller Kissen über Oberkörperbandagen, die man sich nachts anlegen soll bis zu mit Sand gefüllten Beutelchen, die man am Rücken des Schlafanzugs befestigen kann. Bevor man für solche Dinge allerdings viel Geld ausgibt, sollte erst einmal die Wirkung selbstkonstruierter "Rückenschlaf-Verhinderer" getestet werden. Dazu reicht ein am Rückenteil des Pyjamas befestigter Tennisball oder das Einnähen eines kleinen Styroporstücks. Um das unbequem zu finden, muss man keine "Prinzessin auf der Erbse" sein - die Rückenlage wird damit hundertprozentig vermieden! Aber ob das Schnarchen auch wegbleibt, muss jeder für sich selbst rausfinden. Laut der Ärzte Zeitung hat im Herbst letzten Jahres das Pharmaunternehmen Veropharm eine isotonisches Nasenspray namens "Ronfnyl" auf den Markt gebracht. Mit diesem Spray sollen die Nasenschleimhäute und Verkrustungen entlang der Nasenscheidewände angefeuchtet werden. Nach Angaben des Unternehmens bestätigten 80% der Testpersonen die Wirksamkeit des Mittels. Bei Nasensprays sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass sie bei längerer Anwendung nicht ihre Wirkung verlieren und zu chronischer Nasenverstopfung führen. Eine nahezu nebenwirkungslose Methode gegen das Schnarchen hat Dr. Werner Bauer, Lungenspezialist am Berner Lindenhofspital, vor zwei Jahren gefunden. Mit einem für Leistungssportler entwickelten Atemtrainingsgerät können die Atemmuskeln durch ein tägliches, halbstündliches Training so gestärkt werden, dass das Schnarchen erheblich nachlässt. Diese Behandlungsmethode hat auch positive Effekte für sportliche Aktivitäten und den normalen Alltag. Allerdings ist dieses Gerät leider noch nicht für jeden verfügbar. Weiter Informationen hierzu sind auf Dr.Walsers Homepage zu finden.

Wenn der Arzt helfen muss
Liegen anatomische oder gesundheitliche Ursachen für das Schnarchen vor, muss der Arzt eingreifen. Ob dies der Fall ist, sollte durch eine genaue Analyse im Schlaflabor festgestellt werden. Durch eine intensives Gespräch mit dem Hausarzt (eventuell im Beisein der Partnerin!) über die individuellen Schlafprobleme, können schon erste Diagnosen getroffen werden. Wer operative Eingriffe scheut, kann eventuell auch bei schweren Schnarcherkrankungen noch auf "unblutige" Hilfsmittel zurückgreifen. Einige Firmen bieten beispielsweise Mundstücke an, die vom Zahnarzt angepasst werden. Sie sollen nachts getragen werden und dafür sorgen, dass durch eine minimale Vorverlagerung des Unterkiefers der Rachen für die Atmung geöffnet bleibt. Noch etwas aufweniger ist die nächtliche Beatmung durch eine spezielle Maske. Dieses Beatmungsgerät sorgt für eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr und öffnet gleichzeitig durch leichten Luftdruck die Atemwege. Bei Menschen mit Schlafapnoe übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für dieses Gerät.
Somnoplastik-Therapie
Wem das Tragen solcher Hilfsmittel zu lästig ist, der hat noch eine nahezu schmerzfreie Chance des Eingriffs. Nach Informationen der Ärzte Zeitung (10/1999) gibt es eine neue ambulante Therapie-Methode: die Somnoplastik. Dabei wird der Rachenraum nur örtlich betäubt. Mit einer auf 90 Grad erhitzten Nadel wird der Gaumen an verschiedenen Stellen behandelt, so dass sich das Gewebe zusammenzieht und sich eine Straffung ergibt. Der Erfolg kann sich sehen lassen: ein Drittel der Patienten hört auf zu schnarchen, ein weiteres Drittel schnarcht zumindest erheblich weniger. Diese Therapie kostet ca. 1000 DM und wird nur von privaten Krankenkassen übernommen. Des weiteren gibt es noch etliche operative Methoden, bei welchen überschüssiges Gewebe im Gaumen- und Zungenbereich z.B. per Laser entfernt oder übergroße Mandeln bzw. Polypen herausgenommen werden.

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Weitere Infos und Hilfe zum Thema Schnarchen
Über die Qualität operativer Eingriffe oder die nötigen Standards in Schlaflabors sind bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung nützliche Informationen zu finden. Das Schlafmedizinische Zentrum Dortmund führt selbst Eingriffe durch und stellt auf seinen Websites Hintergrundwissen bereit. Auch Dr. Jens Röttig
vom Schlafmedizinischen Zentrum des Berliner Charites bietet auf seiner Homepage wertvolle Hilfe zu den Themen Schnarchen und Schlafstörungen an. Außerdem gibt es im Internet eine Sebsthilfegruppe Schnarchen mit einem Fragebogen zur Ermittlung einer möglichen Schlafapnoe und einer Hotline zum Thema. Die Selbsthilfe Schlafapnoe Wuppertal e.V. bietet jeden 1. Donnerstag im Monat einen Expertenchat zum Thema "Schnarchen".

Übrigens findet am 21. Juni im ehemaligen Bundestagsgebäude der Tag des Schlafes statt. Er wird unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin veranstaltet und wartet mit interessanten Fakten und Vorträgen zum Thema Schlafstörungen und Schnarchen auf.
 

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